Nuraghentürme

Ein Gastbeitrag von Luc Schwarz, Direktor Club-Hotel Tirreno

Die Nuraghen sind heute die allgemein bekannten Symboldenkmäler aus der Vorgeschichte Sardiniens. Es sind die grössten und best erhaltenen megalithischen Denkmäler in ganz Europa. Auch nach Jahrtausenden hat man noch keine Lösung für das Rätsel ihrer Existenz gefunden.

 

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Türme für ein Werk der Zyklopen, der Semiten, der Mykener oder der mythischen Shardana gehalten. Heute wissen wir jedoch, dass sie den höchsten architektonischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ausdruck eines Volkes von Erbauern darstellen, das von ihnen seinen Namen herleitet: die Nuragher.

Sardinien zählt heute noch über 6500 dieser antiken Steintürme, die im historischen Zeitraum der Nuraghenkultur mehr als 10 000 gewesen sein sollen. Auf der Insel findet man nun alle drei Quadratkilometer ein Nuraghe oder seine Ruinen.

Warum hat ein so weitentwickeltes, ziviles und mächtiges Volk seine Zeit mit dem Turmbau verbracht? Welchen Zweck hatten die Türme? Einen religiösen, einen militärischen? Oder waren es einfach Wohnstätten mächtiger Königshirten? Forscher und Geschichtsschreiber sind sich nicht einig, da bis heute keine handfesten Indizien zur wirklichen Funktion entdeckt wurden.

So bleibt die Theorie, dass die Nuraghentürme multifunktional genutzt wurden – als Wohnhäuser, oft aber auch als Kultstätte mit direktem Bezug zum Totenkult und zu den Sternenkonstellationen sowie als Verteidigungsposten, dank dem ein feindlichen Angriff schon von Weitem entdeckt wurde.

Ab dem 5. Jahrhundert vor Chr. wurden die Nuragher immer mehr von den Seemächten der Phönizier und Punier bedrängt. Durch eine rasche kulturelle und ethnische Verschmelzung der Inselbewohner ging ihre Kultur mit dem Geheimnis ihrer Türme in kurzer Zeit unter.

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